Rat der Stadt Bonn Beschluss zur Verbesserung der Spielplatzsituation nicht umgesetzt

Veröffentlicht am 29.04.2013 in Familie und Jugend

Von Martin Ochmann, Generalanzeiger Bonn vom 27.4.13

IPPENDORF. Carina Siemer, Stephanie Kastenmeier und Almuth Wiesner sitzen mit einigen ihrer Kinder auf einer Picknickdecke auf dem Spielplatz an der Netzestraße. Die Frühlingssonne scheint, die Vögel zwitschern - eigentlich könnte das Leben und Spielen in Ippendorf so schön sein. Eigentlich.

Wenigstens die Schaukel kann man benutzen, wenn es trocken ist: Stephanie Kastenmeier nutzt mit Sohn Erik die Gunst der Stunde, im Hintergrund steht das abgesperrrte Klettergerüst.

Denn ein Ärgernis trübt die Stimmung der jungen Mütter. Das Klettergerüst in ihrem Rücken, 50.000 Euro wert und noch nicht mal ein Jahr alt, ist für die Kinder nicht nutzbar, ein Bauzaun riegelt die Sandgrube ab. Der Grund: Sobald es regnet, steht die Grube völlig unter Wasser (GA berichtete). Die Stadt bekommt das Problem bislang nicht in den Griff, im Dezember sperrte sie den Bereich ab.

Kein Beinbruch, könnte man meinen, in Ippendorf gibt es doch reichlich Ausweichmöglichkeiten. Die drei Mütter ärgert diese Haltung. "Das ist genau unser Eindruck, dass man das denkt, und uns deswegen hier im Stich lässt", sagt Kastenmeier. Was ist passiert?
Eigentlich hatte der Rat der Stadt Bonn im Dezember 2011 beschlossen, dass die Ippendorfer Spielplatzsituation verbessert wird. Demnach sollten, bevor die Grundstücke "Auf dem Essig" und "Auf dem Heidgen" als Bauland verkauft werden - sie waren mal als mögliche Spielplatzflächen vorgesehen - die anderen Spielplätze auf Vordermann gebracht werden, falls nötig mit dem Verkaufserlös.

Einen Antrag der SPD-Fraktion, gemäß Beschluss unter anderem in die Spielplätze Ligusterweg oder Stationsweg zu investieren, verwies die Bezirksvertretung Bonn jedoch an den Jugendhilfeausschuss. "Es wurde argumentiert, dass man keinen Stadtteil bevorzugen will", sagt die Ippendorfer SPD-Stadtverordnete Gabriele Klingmüller. Sie meint, dass man sich an den Beschluss halten muss. Und: "Es ist ja nicht so, dass hier jeder einen Garten hat. Außerdem ist ein Spielplatz ja auch eine Kontaktzone." Dass offensichtlich jeder meine, Ippendorf brauche keine Spielplätze, sieht Wiesner auch durch Studien befördert, wie sie im "Rahmenkonzept Spielplatzbedarfsplan 2006" zitiert werden. Diese Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass Ippendorfer Kinder im Vergleich zu Dransdorfer Kindern eine "strukturiertere Freizeit" hätten.

Salopp ausgedrückt: Während Ippendorfer Kinder in der Musikschule sitzen, spielen Dransdorfer Kinder draußen. "Dafür nutzen die Ippendorfer Kinder eher den eigenen Garten, der oft ähnlich gut ausgestattet ist wie ein öffentlicher Spielplatz", so die Studie. Ein Unding, meint Wiesner. Und: "Wie man sieht, werden wir nicht bevorzugt, sondern benachteiligt", sagt Wiesner. "Wir haben ein Versprechen bekommen, das nicht eingehalten wird.

Und wir haben in Ippendorf keinen attraktiven Spielplatz." Der sei aber wichtig, unter anderem als sozialer Treffpunkt. "Es ist ja nicht nur ärgerlich, dass dieser Spielplatz eine Fehlplanung ist, sondern auch, dass es einen Beschluss gibt, der nichts gilt. Was ist denn das für ein demokratischer Prozess?", fragt Kastenmeier. "Nicht fair", "nicht bürgernah" und "respektlos" - diese Urteile fällen die drei Mütter.

Dass das Spielgerät regelmäßig im Wasser steht, war nach Angaben der Stadt nicht absehbar, wenngleich es in den Senken "vereinzelt" feuchte Stellen gegeben habe. Im Februar habe ein Geologe ein Gutachten zur Versickerung erstellt, zu Beginn der kommenden Woche will ein beauftragtes Büro einen Lösungsvorschlag machen. Dies könnte der Bau einer Rigole sein, eines Pufferspeichers, über den das Regenwasser künftig versickert.

 

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